Zwei, drei oder vier Finger?
Eine vorbildliche
"Simandl-Hand"!
"Simandl-Hand"!
finger (1), Mittelfinger (2), Ringfinger (3) und kleiner Finger (4). Da die ersten Kontrabass-
Schulen um 1800 entstanden sind, ist man, was
die Erforschung von Kontrabass-Applikaturen der weiter zurückliegenden Epochen anbelangt, auf die Auswertung der wenigen vorhandenen Schriften und zeitgenössischen Berichte, auf Abbildungen und vor allem die Analyse der für Kontrabass geschriebenen Orchester-, Kammermusik- und Solostimmen angewiesen.
Diese Quellen zeigen, dass ebenso wie in der heutigen Zeit es keine einheitliche Applikatur beim Kontrabass-Spiel gegeben haben dürfte, da diese abhängig war von
• der Leistungsfähigkeit der Spieler
• der Musikgattung
• der Region
• der Größe und Saitenzahl des Instruments
sowie davon, ob Bünde vorhanden waren oder nicht.
Der Faustgriff
ist belegt, dass er in tiefen Lagen das System
anten 1-3-4 für die Folge Ganzton-Halbton, 1-2-4 für die Folge Halbton-Ganzton so-
wie für zwei aufeinanderfolgende Ganztöne. Domenico Dragonetti (1763-1846) bevorzugte durchgängig das 1-2-3-4 System (chromatisch), sogar unter Mitbe-
nutzung des Daumens in allen Lagen, wie Francesco Caffi (1778-1884), der bedeutende Chronist der venezianischen Musik, berichtete. Mit dieser Technik gelang es Dragonetti 1799, Ludwig van Beethoven mit seiner Kontrabass-
Version von dessen Sonate op. 5 Nr. 2 derart zu beeindrucken, dass letzterer Spieler samt Kontrabass umarmte.
Das Klischee von der
Vier-Finger-Technik. So kann man unmöglich Bass spielen!
Vier-Finger-Technik. So kann man unmöglich Bass spielen!
1-2-3 verlangt, wie es bereits B. Bismantova
mit den "Regole per suonare il Contrabasso"
(1694) getan hatte. Ein gewisser Dr. Nicolai lehrte in seinem "Spiel auf dem Contrabass"
(1816) Dragonettis Fingersatz 1-2-3-4. Wenzel Hause (1764-1874) war der erste, der in seiner bedeutenden, dreibändigen "Contrabaß-Schu-
le" (1809) die Applikatur 1-2-4 für zwei Halb-
tonschritte und damit erstmalig die Auslassung des dritten Fingers forderte, wenngleich er im dritten Band dennoch an Spergers System 1-2-4 für die Tonfolge Halbton-Ganzton anknüpfte. Friedrich Christoph Franke veröffentlichte
ca. 1820 die "Anleitung, den Contrabaß zu spie-
len" und propagierte darin ebenso wie Dr. Nicolai das Dragonetti-System 1-2-3-4. Damit waren erstmalig zwei konkurrierende Systeme im Umlauf. Vermutlich dürfte Hauses Schule mehr Anhänger gefunden haben, weswegen Franke seine Methode in der "Neuen Zeitschrift für Musik"
Giovanni Bottesini
1821-1889
1821-1889
Wenige Jahre später veröffentlichte der Solobassist des Wiener Hofopern-Orchesters Franz Simandl (1840-1912) die "Neueste Methode des Kontrabass-Spiels". Simandl war ein "Enkel-Schüler" von Wenzel Hause und vermittelte dessen Zweihalbton-Applikatur, verzichtete allerdings auf Hauses Halbton-Ganzton Griffweise 1-2-4. Vielleicht war die Einfachheit und klare Gliederung des Schul-
werkes der Grund für dessen Erfolg, denn bis heute wird das "Simandl-System" von der überwältigenden Mehrheit aller Kontrabassisten angewandt. Schon wenige Jahre nach seiner Drucklegung war es so verbreitet, dass der Hamburger Kontrabassist Friedrich Warnecke (1856-1931) die Vier-Finger-Methode "Neue Schule des Kontrabaß- spiels" (1888) wegen heftiger Angriffe seiner Gegner zurückzog und sich erst 1909 im Rahmen seines Werkes








